Erster Triathlon mit Hindernissen

Ende Mai, nach meinem ersten Radrennen über 80 Kilometer fasste ich den Entschluss, mich für den Frankfurt City Triathlon anzumelden.

Beim Triathlon, bestehend aus den drei Ausdauersportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen, gibt es generell mehrere Distanzen: Jedermann (0,4 km Schwimmen, 12 km Rad fahren und 5 km Laufen), Sprint (0,75 km Schwimmen, 28 km Rad fahren und 5 km Laufen), Olympisch (1,5 km Schwimmen, 45 km Rad fahren und 10 km Laufen), Mitteldistanz (2,0 km Schwimmen, 80 km Rad fahren und 20 km Laufen) und Langdistanz, z.B Ironman (3,86 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und 42,2 km Laufen).

Ich entschied mich für die olympische Distanz. Nach dem ich paar Wochen zuvor in Hamburg bereits zum ersten Mal 500 Meter im freien Gewässer geschwommen bin, war mir klar, dass 1.500 Meter nicht einfacher werden. Die Tatsache, dass ich zeitgleich mich für den Berlin Marathon im September ebenfalls vorbereiten musste, hat es auch nicht besser gemacht. Aber ich wollte es ja so.

Das Rennen beginnt

Am Tag des Rennens ging es mit Carina, Caro und Benni zum Start. Auf dem Weg dahin gab mir Benni, der bereits an vielen Triathlons teilnahm, einige Tipps. Die Tipps und seine ruhige Art beruhigten mich sehr.

Zunächst mussten wir im Startbereich länger warten. In Frankfurt wurde ein sogenannter „Rolling Start“ durchgeführt. „Rolling Start“ bedeutet, dass immer nur 3 Athleten alle 5 Sekunden ins Wasser rennen dürfen.

Im Wasser angekommen setzte ich mir kleine Zwischenziele. Auf den 1.500 Metern gab es fünf Bojen. Jede Boje war ein Zwischenziel. Ich arbeite mich von Boje zu Boje. Mein oberstes Ziel war es, nicht aus dem Rhythmus zu kommen und muskeltechnisch nicht zu verkrampfen. Die 1.500 Meter zogen sich wie ein zähes Kaugummi. Durch ein paar Tipps aus dem Schwimmunterricht verbesserte ich zwar meine Ökonomie (weniger Kraftaufwand) beim Brustschwimmen, aber dennoch überholten mich die meisten Schwimmer. Irgendwann hatte ich nur noch eine Boje vor mir. Nach knappen 46 Minuten hatte ich das Wasser endlich verlassen. Der größte Herausforderung war geschafft. Haken ans Schwimmen.

Mit zwei Reifen fahren, kann jeder

Ab ging es in die Wechselzone, Kleiderbeutel gesucht und im Zelt umgezogen. Danach ab zum Fahrrad. Ein komisches Gefühl loszurennen, wenn man zuvor so lange geschwommen ist. Die Zeit zum Fahrrad nutzte ich, um meine Energiespeicher mit Gels wieder aufzufüllen.

Beinahe wäre mir ein großer Fehler passiert. Ich sass schon auf dem Sattel und wollte noch innerhalb der Wechselzone losfahren. Dass, das nicht erlaubt ist und das Fahrrad zunächst noch geschoben werden musste, merkte ich dann noch rechtzeitig. Glück gehabt.

Leider lies das nächste Malheur nicht auf sich warten. Direkt beim Losfahren merkte ich: „Ich habe einen platten Hinterreifen, geil!“… Ich fuhr weiter und überlegte, was ich nun machen sollte. „Soll ich zurückfahren und hoffen, dass jemand in der Wechselzone eine Luftpumpe hat?“, „Fahre ich erst mal weiter und gucke was passiert?“. Ich fuhr in der Tat erst einmal weiter. Auf der Geraden ging es sogar einigermaßen, wenn auch etwas wackelig. Ich wollte unbedingt die 45 Kilometer Radfahren irgendwie durchhalten. Ich wollte unbedingt meinen ersten Triathlon zu Ende bringen. Ich wollte es einfach. Und ich glaube auch fest daran, dass ich es schaffen werde!

Während den nächsten 96 Minuten kamen von anderen Fahrern immer wieder kontra-produktive Sprüche wie, „Du hast einen Platten!“ oder „Oh Scheiße!“. Ich dachte mir nur, „Na toll, danke für die motivierende Worte!“ Ich weiß natürlich, dass es niemand wirklich böse meinte, aber wie bereits gesagt, motivierend war es nicht wirklich. Oder vielleicht doch? Ich glaube sogar, wenn ich mich richtig zurück erinnere, dass mich das nochmals motivierte. Ganz nach dem Motto: „Mit zwei voll aufgepumpten Rädern kann ja jeder fahren!“

Die Zeit auf dem Bike nutzte ich um meine Energiespeicher nochmals zu füllen. Zwischendurch schmerzte mir mein unterer Rücken vom Fahren, aber sonst fühlte ich mich gut. Abgesehen von der Gedanken-Macherei, ob das Rad halten wird. Jede Schiene, jedes Schlag-Loch war eine Herausforderung. Generell möchte ich an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass jeder ganz genau abschätzen sollte, ob eine Weiterfahrt sinnvoll ist, oder nicht. Im Zweifel geht die Sicherheit und Gesundheit von einen selbst, aber auch von allen anderen vor!

Zum Schluss noch mal alles geben

Ich hatte Glück, das Rad hielt und ich konnte das Radrennen zu Ende bringen. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Ab in die zweite Wechselzone, Rad abgegeben, Helm ausziehen und weiter geht es. Nun zu Fuß bzw. im Laufmarsch. 10 Kilometer standen mir noch bevor. Beim Loslaufen fühlte es sich total langsam an, aber ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich schneller unterwegs war, als es sich anfühlte. Geil!

Die Stimmung in der Stadt war klasse. Bei tollem Wetter hatten sich viele Zuschauer am Streckenrand gefunden. Nachdem ich meine Herausforderung mit dem Schwimmen und dem platten Hinterrad beim Rad fahren hatte, fiel mir das Laufen deutlich leichter. Auf der Strecke versuchte ich viele Läufer auf die letzten Kilometer anzufeuern.

Am Ende der ersten Runde von zwei, wurde ich am Streckenrand von der tollsten Laufcrew gigantisch empfangen 🙂 Überraschenderweise standen so viele von der #WERUNFRANKFURT Crew am Streckenrand, welche sich heimlich verabredet hatten. Gänsehaut-Stimmung! Das gab mir für die letzten 6 Kilometer noch einmal Kraft. Eine letzte Runde noch. Entlang der Strecke war der Support mega klasse und auch auf der Strecke wurde sich gegenseitig angefeuert! Tolle Atmosphäre!

Auf der Zielgeraden erhöhte ich noch einmal das Tempo, holte die letzte Energie aus mir raus und hatte endlich das Ziel erreicht. 50 Minuten war ich zu Fuss unterwegs gewesen. Insgesamt waren es mit den Wechselzonen 3:23:40. Für mich spielte die Zeit – vor allem bei meinem ersten Triathlon – nur eine untergeordnete Rolle. Mir war es wichtig, dass ich das Rennen gesund zu Ende bringen konnte.

Berücksichtigt man die Tatsache mit dem platten Reifen, ist bei der Zeit sicherlich noch Luft nach oben. Die Entscheidung, beim Triathlon mitzumachen, habe ich keine Sekunde bereut. Natürlich war es super anstrengend, aber unter dem Strich hat das Ankommen im Ziel wieder alle Schmerzen, alle Strapazen und jede Schweißperlen entschädigt.

Mit dem heutigen Blog-Artikel möchte ich euch drei Dinge mitgeben:

  • Unterstützt vom Streckenrand jeden Sportler auf der Strecke. Mit nur einem Lächeln, Applaus oder Zurufen könnt ihr viel Energie freisetzen!
  • Wenn ihr euch ein Ziel setzen möchtet, zieht es durch. Egal, wie schnell oder langsam. Macht es einfach, ganz gleich was andere über euch denken!

Und der wichtigste Punkt:

  • So lange ihr es in der Hand habt, GEBT NIEMALS AUF! Alles was ihr begonnen habt, bringt ihr zu Ende. Egal wie! Anfangen, durchziehen und am Ende gut fühlen.

Fotos: Davut Bas & Mark Ong

 

Advertisements

9 thoughts on “Erster Triathlon mit Hindernissen

  1. Wow, ich habe dir aus der Ferne die Daumen gedrückt, dass alles klappt bei deinem ersten Triathlon und mächtig mitgefiebert! Wie immer super motivierend deinen Beitrag zu lesen und ein Triathlon kommt definitiv auf meine Bucketlist! weiter so!

  2. Es ist wirklich wahnsinn was du leistest! Mach bitte weiter so, du bist für mich, wie auch sicher für viele andere, eine wahnsinnig große Motivation!

  3. wow, da haste dich aber ordentlich gesteigert… grad das mit dem schwimmen ist beachtenswert, wo du dich ja am anfang so schwer damit getan hast. aber am schönsten an dem ganzen finde ich, dass du auf jedem foto lächelst. da merkt man, dass du mit leidenschaft dabei bist.
    gratulation zu dieser leistung!!

Kommentar verfassen